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Der Zweck unseres Vereins besteht darin, IdeenÂbörÂse und Schaltstelle für Fragen und Probleme im Bereich der BauÂforschung zu sein. Die Mitglieder können mit Kontakt-Adressen oder eigenem Know-How weiterhelfen. Unter den Mitgliedern sind BauforscherInnen und LehrerInnen, ZimmerÂleute und ArchäologInnen, GrabungstechnikerInnen und Studierende, DenÂdrochronologen und ArchitektInnen, Kunsthistoriker und FotografInnen. Neben den Profis sind aber auch Laien herzlich willkommen. Sie tragen wesentlich zum Erfolg der Arbeit bei. Die Vereinigung für Bauforschung (VEBA) Die Vereinigung für Bauforschung wurde 1989 in Winterthur gegründet. Einige Auszüge aus den Statuten: Der Verein fördert die Bauforschung und mehrt die Kenntnis historischer Architektur in der Schweiz. Er macht die gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Die VEBA organisiert Vorträge und Führungen für Fachleute und interessierte Laien, wie Architekten, Hauseigentümer und Behördenvertreter. Die VEBA setzt sich für eine Vereinheitlichung der Baudokumentation und deren Nachvollziehbarkeit ein.
In diesen Bemühungen versucht die VEBA mit Vereinigungen, Institutionen und Firmen ähnlicher Zielsetzung zusammenzuarbeiten. Mit ihrer Arbeit will die VEBA insbesondere die Brücken zwischen Fachleuten und Laien im Bereich der Baugeschichte und Bauforschung ausbauen. Daniel Reicke: Der Bau als Urkunde und Dokument Was BauforscherInnen über ihre Aufgaben denken Die Kenntnisse über die bauliche Entwicklung der Schweizer Städte und Orte sind in den letzten Jahrzehnten grundlegend erweitert worden. Die Entwicklung unserer Siedlungen im Mittelalter wird nicht mehr nur von spärlichen Schriftquellen beleuchtet, sondern zunehmend auch durch Bodenfunde, welche die Archäologie zutage fördert, sowie durch bauliche Aufschlüsse, die bei Bauuntersuchungen zusammengetragen werden. In der Mittelalterforschung ist inzwischen allgemein anerkannt, dass die Schrift-, Bild- und Sachquellen mit derselben Aufmerksamkeit erforscht und als Arbeitsgrundlagen der Interpretation dienen müssen. Zu den „Sachquellen“ sind hier die Gebäude selbst zu zählen. Es kann trotz zunehmender Menge von Aufschlüssen noch keine Rede davon sein, dass die Erforschung der Bauten und Siedlungen am Ende sei. Es gibt noch viel zu tun. Oft erlaubt der angetroffene, fragmentarische Zustand der Befunde nicht die wünschbare Schärfe der Aussage. In manchen Schweizer Kantonen stehen zuwenig Mittel bereit, um Untersuchungen durchzuführen und die bei Baumassnahmen anfallenden Befunde aufzunehmen. Ob die Schweiz mit ihrer kleinteiligen politischen Struktur ideale Voraussetzungen für die Arbeit von Bauforschern und Archäologen bietet, bleibe vorerst dahingestellt. Angesichts der Vielfältigkeit der Schweiz haben Verbände wie die SAM (Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit) eine wichtige Funktion als Plattform für den Austausch. Die VEBA möchte diese Arbeit unterstützen und insbesondere die Arbeit der BauforscherInnen als wesentlichen Bestandteil der Erhaltungsbemühungen durch Führungen und Informationen immer wieder publik machen. Zu den Anforderungen Die Untersuchung von Altbauten verlangt einiges an spezifischen Fachkenntnissen. Dass Untersuchungen nur dann gelingen, wenn die Fragestellungen dem/der Untersuchenden klar sind, braucht nicht wiederholt zu werden. Die Arbeitsmethoden für baugeschichtlichen Untersuchungen werden weitgehend aus der Mittelalterarchäologie übernommen. Das Spezielle ergibt sich daraus, dass der Gegenstand der Erforschung Bauten sind, die bis in jüngste Zeit verändert wurden. Deshalb sind z.T. auch die Zustände des 18. und 19. Jahrhunderts zu dokumentieren. Dem Forscherdrang steht zudem der Wunsch nach möglichst integraler Erhaltung gegenüber; die Zerstörung intakter Wandoberflächen aus Interesse an der Untersuchung ist deshalb möglichst zu unterlassen. Was die Ausbildung betrifft, so sind BauforscherInnen weitgehend auf das Sammeln von praktischen Erfahrungen angewiesen. An einzelnen Universitäten kann neuerdings Mittelalterarchäologie studiert werden. Dieses Studium sollte in der Regel die Bauforschung umfassen. Die Praktiker können die Grabungstechnikerprüfung der Vereinigung des Archäologisch-Technischen Grabungspersonals absolvieren. Die generellen Fragestellungen und Ziele der Bauforschung Die zu untersuchenden Bereiche decken sich weitgehend mit jenen der Stadt-, bzw. Orts- und Architekturgeschichte. BauforscherInnen bemühen sich im Rahmen ihrer Arbeit um die technischen und handwerksgeschichtlichen Belange. Aus der Erforschung der Bauwerke ergeben sich zum Teil spezifische Aufschlüsse zur Sozialgeschichte. Was hier dargestellt wird, wird auch als Hausforschung bezeichnet, wobei die Hausforschung meist die eingriffsfreie Dokumentation eines Bestands meint. Es wird also jeweils nach der Entstehung eines Bauwerks und seiner Entwicklung durch die Jahrhunderte gefragt. Aus vielen Einzelaufschlüssen soll ein Bild von der Entfaltung der gebauten Umwelt entstehen, mit den sakralen und profanen Bauten sowie den Befestigungen, mit Bauten aus Holz und Stein. Es ist in der Regel auch typologisch vorzugehen, um die Entwicklung der Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Bauten zu verstehen. Jeder Typ enthält andere Spuren der Ausstattung und künstlerischen Dekoration. Für die Erarbeitung von Befunden an gemalten Dekorationen und Farbfassungen sind RestauratorInnen zuständig; bei ihnen muss der/die BauforscherIn die wichtigen Aufschlüsse abholen. Eine äusserst wichtige Stütze der einzelnen Untersuchungen ist die dendrochronologische Datierung. Diese Befunde und Beobachtungen gilt es zusammenzufassen. Aus den Beobachtungen zur Entstehungsgeschichte ergeben sich oft auch Aufschlüsse zum aktuellen Schadensbild oder Zustand eines Bauwerks. Diese Aussagen gehören nicht zum „Kernauftrag“ der Bauforschung, sind aber als Hilfe für die Denkmalpfleger und Bauherren nicht zu vernachlässigen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Bauforschung neue Erkenntnisse beisteuert für die lokale und regionale Geschichte, für die Geschichte der Technik, für die Hausforschung, allenfalls auch die Volkskunde und die Kunstwissenschaft. Die Informationen des einzelnen Objekts müssen im Umbau- oder Renovationsprojekt einfliessen. Durch BauforscherInnen wird zu grossen Teilen der Dokumentationsauftrag erfüllt, der in der Internationalen Charta von Venedig 1964 für die Denkmalpflege formuliert wurde. Bauforschung ist also ein Arbeitsbereich mit vielen Querbezügen zu verschiedenen Disziplinen. Das vornehmste Ziel ist allerdings die Einbindung in die Bestrebungen zur Erhaltung. Nur wenn Bauforschung nicht zum Selbstzweck verfolgt wird, sondern in diesem Rahmen, kann sie zur Vermeidung weiterer Identitätsverluste in unseren Orten und Städten beitragen. dr, 3.01 |